Wirtschaft

Die Wirtschaft Vietnams ist durch die Wiedervereinigung des Landes nach dem Vietnamkrieg stark geprägt. Die zwei Hälften waren völlig verschieden strukturiert, da im Norden kommunistische Planwirtschaft, im Süden dagegen das Marktwirtschaftsprinzip praktiziert wurde. Da der Norden zu großen Teilen durch die Amerikaner zerbombt worden war, litt die Landwirtschaft stark. Im Süden hatte man in den vergangenen Jahren eine Wirtschaft entwickelt, die jedoch vollständig von der finanziellen Unterstützung Amerikas abhing, welche durch den Krieg lange Zeit zugeflossen war. 

In den folgenden Jahren wurde der Süden nach kommunistischen Grundsätzen neu strukturiert. Die Reaktion von Seiten der USA war ein Wirtschaftsembargo, wodurch es zum einen Amerikanern aber auch dem IWF und der Weltbank untersagt wurde, Vietnam beispielsweise durch Kredite zu unterstützen.

Armut war die Folge für viele Menschen und die Enteignung der Unternehmen im Süden veranlasste mehr als eine halbe Millionen Vietnamesen, dass Land zu verlassen. Das erwies sich als sehr risikoreich und es überlebten nur etwa 30 % derer, die einen Fluchtversuch unternahmen. In den frühen 80er Jahren versuchte man durch Kombinationen aus Plan- und Marktwirtschaft, Vietnams Wirtschaft zu retten doch nur mit der Unterstützung durch die RGW-Staaten von rund drei Milliarden US-Dollar pro Jahr hielt konnte Vietnam seine Wirtschaft aufrecht erhalten.

Nach dem Tod von Le Duan, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Indochinas, wurden zahlreiche Wirtschaftserneuerungen eingeleitet, wobei man sich an den Reformen der Volksrepublik China orientierte. Nun war es ausländischen Unternehmen wieder erlaubt in Vietnam zu investieren und auch die USA hoben ihr Wirtschaftsembargo 1993 wieder auf. Internationale Unternehmen wie beispielsweise Motorola siedelten sich in Vietnam an und das Wirtschaftswachstum stieg teilweise über zehn Prozent pro Jahr. Dennoch gehört Vietnam weiterhin zu den ärmsten Ländern Asiens. Die Unterschiede zwischen arm und reich klaffen weiter auseinander und fast 20 Prozent der Bevölkerung verdient weniger als einen US-Dollar pro Tag.

Die Reformen im Rahmen der Wirtschaftserneuerung waren essentiell für den Vietnamesischen Markt. Vor allem das Rechtssystem, das als unsicher und instabil gilt, schreckte lange Zeit ausländische Investoren ab. Doch Vietnam ist auf die Investoren angewiesen, da die staatlichen Unternehmen kaum gewinnbringend sind und sich auf dem internationalen Markt nicht behaupten können. Deshalb schließt die Regierung verschiedene Unternehmen zusammen oder sie werden geschlossen. Da diese Unternehmen jedoch viele Menschen beschäftigen muss der Abbau der staatlichen Unternehmen in kleinen Schritten vollzogen werden.

Der Unterschied zwischen Norden und Süden ist ein weiteres Problem der vietnamesischen Wirtschaft. Den Fortschritt des Südens führen Experten darauf zurück, dass der Süden aufgrund seiner Erfahrungen mit marktwirtschaftlichen Mechanismen effizienter praktiziert werden kann.

Die Auslandsverschuldung liegt bei etwa 36,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (Juni 2007) relativ niedrig, was darauf zurückzuführen ist, dass Vietnam bis 1993 kaum Kredite aufnehmen konnte.

Die Inflation der 80er Jahre erwies sich als großes Problem, das mittlerweile wieder unter Kontrolle ist. Es gibt jedoch nur Scheine von 500 - 500.000 Đồng, sodass man bereits kleine Beträge mit dicken Geldbündeln bezahlen muss.

Vietnam bestreitet etwa 20 Prozent des gesamten Exports mit Rohöl. Weitere wichtige Exportprodukte sind Textilien (Industrie) und Reis (Landwirtschaft). Vietnam ist der zweitgrößte Reisexporteur der Welt und auch Kaffee spielt eine große Rolle in der landwirtschaftlichen Produktion.

Zu Vietnams Handelspartner gehören viele asiatische Staaten, Japan und Singapur gehören dabei zu den wichtigsten Abnehmern. Aber auch in europäische Länder und die USA wächst der Export. Obwohl das Exportwachstum seit den 90er Jahren fast um die Hälfte abgenommen hat, ist es immer noch zweistellig.

Die Importe wachsen etwa so schnell wie die Exporte, zu den wichtigsten Produkten zählen Treibstoffe und Fahrzeuge aus asiatischen Ländern und den USA.

In den letzten Jahren haben vor allem die USA protektionistische Maßnahmen ergriffen, um zum Beispiel die Importe von Textilien zu begrenzen. Doch durch die Vielfältigkeit der vietnamesischen Wirtschaft wird sichergestellt, dass Schwankungen in einzelnen Branchen die wirtschaftliche Situation des Landes nicht gefährden.


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