Versorgung schwerhöriger Kinder im Raum Da Nang

Ein humanitäres Projekt von DEVIEMED / Sektion HNO - gestartet in 2004, Christoph Isselstein

Einleitung

Die Versorgungssituation mit Hörgeräten in Vietnam ist beim Gros der bekanntlich nach wie vor sehr armen Bevölkerung  außerordentlich dürftig. Eine Versorgung wie sie hierzulande üblich ist mit Diagnostik und Indikationsstellung durch einen HNO-Facharzt und Ohrpassstückfertigung mit Anpassung durch einen ausgebildeten Akustiker bzw. Audiologen ist dort nicht gegeben. Lediglich in den großen Städten wie Saigon und Hanoi werden vereinzelt Hörgeräte – überwiegend chinesischer Provenienz – angepaßt. Dabei wird die Ohrabdrucknahme durch HNO-Fachärzte vorgenommen. Die Herstellung der Passstücke erfolgt meist in Zahnlabors und die Anpassung führt dann wiederum der HNO-Facharzt durch. In Danang existiert diese Möglichkeit der Anpassung seit 2003 und wird über die HNO-Abteilung des General-Hospitals seitdem vereinzelt bei Patienten, die sich dies leisten können, durchgeführt. Die Kosten für die Diagnostik,  das Gerät, sowie die Herstellung des Passstückes müssen vom Patienten übernommen werden.

In Kenntnis dieser Rahmenbedingungen entstand bei dem Autor anlässlich früherer DEVIEMED-Einsätze in Danang die Idee schwerhörige Kinder, die sonst keine Chance auf eine Hörgeräteversorgung haben, zu unterstützen. Start des Projektes sollte der DEVIEMED-Einsatz März 2004 sein.

 Selektion der Kinder 

Unter der Prämisse die begrenzten Ressourcen möglichst denjenigen zu erschließen, die sonst keinerlei Chance auf dbzgl. Hilfe haben , wurde Kontakt aufgenommen zu Ben Wilson, Initiator der gemeinnützigen amerikanischen Organisation CHILDREN OF VIETNAM, die sich um Kinder mittelloser Familien überwiegend im ländlichen Umfeld von Danang kümmert. Mithilfe dreier lokal in Danang ansässiger vietnamesischer Mitarbeiterinnen erstellt diese Organisation z.B. Programme zur Irradikation von Parasiten, - Aufbereitung von Trinkwasser, - Ernährungsunterstützung etc.. Diese Mitarbeiterinnen wurden instruiert, Kinder mit Hörstörungen zu lokalisieren und deren Eltern über die Möglichkeit der Hörgeräteversorgung zu informieren.  Dies geschieht seit 2004 mittlerweile alljährlich, wobei wir inzwischen gelernt haben eine weitere Voraussetzung zu fordern: die Kinder sollten von einer institutionellen Einrichtung (Heim, Kindergarten oder Schule) mitbetreut werden, in der entweder bereits ein gewisses Know How im Umgang mit Hörgeräten besteht oder von der aus einer der Mitarbeiter bereit sein sollte, eine entsprechende Einweisung durch uns zu akzeptieren. Wir haben im Verlauf der Jahre lernen müssen, dass unter den besonderen Bedingungen des tropischen Klimas die Lebensdauer von Hörgeräten und Batterien ohne eine besonders pflegliche Behandlung (dazu gehört die Aufbewahrung in Trockenboxen zur Nacht, das Ausklappen der Batteriefächer etc.) rasant kurz sein kann.  So haben wir in der Zwischenzeit gute Kontakte zu Schulen und Kindergärten aufbauen können, die hörbehinderte Kinder betreuen. 

Materialakquise 

Mit Hilfe von Aufrufen über die Zeitung und  Plakaten in HNO-Praxen, Kooperation mit Hörgeräteinstituten und Altenheimen werden seit Anlaufen des Projektes alljährlich gebrauchte Hörgeräte gesammelt, die von einem Akustikinstitut geprüft und ggf. überholt  werden. Weiter werden gute Kontakte zur einschlägigen Industrie gepflegt und dort regelmäßig auch neue Hörgeräte, Batterien und Materialien zur Passstückherstellung akquiriert. Zur Ausstattung unseres kleinen Diagnostik-Centers in Danang wurde ein Audiometer, eine Stirnlupe mit Kaltlichtquelle, eine bescheidene, aber inzwischen fast komplette Otoplastiklaborausstattung und im Jahr 2008 als Highlight ein gebrauchtes ZEISS-OP-Mikroskop über Spenden finanziert. 

Organisation vor Ort 

In dem Bemühen eine geeignete Lokalität vor Ort zu finden, die die Möglichkeit der Durchführung der erforderlichen  Untersuchungen bot, und die sich zugleich als Anlaufstelle für später evt. auftretende Probleme eignen würde, stießen wir aufgrund vorbestehender guter Kontakte zu Dr. Nguyen Ngoc Tho auf das in der Peripherie von Danang gelegene Distrikt-Krankenhaus Hoavang.  Es gibt dort eine kleine HNO-Abteilung, die von Dr. Tho geleitet wird.  Dieser junge HNO-Kollege ließ sich mit Begeisterung für das Projekt gewinnen und betreut dies seit 2004 mit großem Engagement. Ausgestattet mit guten Englisch-Sprachkenntnissen und einem nahezu unstillbaren fachlichen Wissensdurst hat er sich zur tragenden Säule unseres Projektes entwickelt.  In der Zwischenzeit hat er über einen von DEVIEMED finanzierten Aufenthalt in Deutschland sein Fachwissen in der HNO-Abteilung der der Städtischen Kliniken Dortmund, in einem deutschen Otoplastiklabor, in der Abteilung für Pädaudiologie der Universitätsklinik Münster und im Hörzentrum der Firma AURIC zugunsten unseres Projektes erweitern können. 

Im Jahr 2008 konnten wir als weiteren einheimischen Mitarbeiter den jungen Tran Cong Vy gewinnen. Vy – selber von Geburt an hochgradig schwerhörig - wurde von uns im Jahre 2004 erfolgreich mit Hörgeräten versorgt und bekundete Interesse an unserem Projekt, als wir 2008 auf der Suche nach einem geeigneten Mitarbeiter für die Otoplastikherstellung waren. Manuell geschickt und von rascher Auffassungsgabe erwies sich Vy als wahrer Glücksgriff. Mit fortlaufendem fachlich angeleitetem Training (DEVIEMED Mitarbeiterinnen Petra Tobaschuß und Antonia Wiesel) ist zu hoffen, dass er in absehbarer Zeit in der Lage sein wird selbständig Otoplastiken zu fertigen und unbrauchbar gewordene Passstücke zu ersetzen. 

Mit der Konstellation Dr. Tho für den medizinischen Part und Vy für den apparativen-  sind wir unserem ursprünglichen Ziel, ein vor Ort selbständig laufendes „Institut“ aufzubauen, das von  DEVIEMED nur noch mit Material versorgt werden muss, einen großen Schritt näher gekommen. Unterstützung wird aktuell noch benötigt hinsichtlich der technischen Wartung  und der Einstellung der Geräte. Letzteres wird in absehbarer Zeit aufgrund der zunehmend digitalen Programmierbarkeit der Geräte auch im Online-Verfahren selbst über große Distanzen – also auch von Deutschland aus - möglich sein.     

Praktische Durchführung 

Nach Selektion der infrage kommenden schwerhörigen Kinder über  CHILDREN OF VIETNAM und Mitarbeiter der erwähnten Kindergärten und Schulen erfolgt eine erste Untersuchung im Hoavang Krankenhaus durch Dr. Tho mit Anamneseerhebung, Ohrinspektion, audiometrischer Diagnostik und ggf. Ohrabdrucknahme. Dies geschieht inzwischen selbständig ohne Mitwirkung von DEVIEMED-Mitgliedern. Um den Transport kümmern sich die Schulen, bzw. CHILDREN OF VIETNAM. Diese organisieren auch die Verpflegung im Hoavang Krankenhaus – teilweise unterstützt durch buddistische Nonnen aus der nahegelegenen Pagode. Nach Ankunft des DEVIEMED-Teams wird anhand der von Dr. Tho erhobenen Befunde interdisziplinär (HNO-Fachärzte/Akustikerinnen) entschieden welches Kind wie versorgt wird. Es werden dann die Otoplastiken hergestellt (im ersten Einsatz noch im Hotelzimmer, später dann aus Direktabformmaterial im Nebenraum des MKG-OP und inzwischen rel. professionell im Hoavang-Krankenhaus). In einem zweiten Vorstellungs termin werden schließlich die Hörgeräte angepasst.  Kinder, Eltern und Betreuer werden in die Handhabung der Geräte eingewiesen (Einsetzen der Geräte, Batteriewechsel, Potentiometereinstellung, orientierender Hörgeräte-Check, Pflege). Aus dem Batteriefundus wird jedes Kind mit einem Päckchen Batterien versorgt. Es wird ein Kontrolltermin nach Ablauf von vier Wochen vergeben zur Überprüfung der Akzeptanz der Geräte, des Pflegezustandes  und  des technischen Zustandes (Dr. Tho / Vy). Bei diesem Termin erfolgt eine  Nachversorgung  mit Batterien. Letzteres in Aussicht gestellt soll dazu beitragen, das Interesse an der Wahrnehmung dieses Termins zu erhöhen.   

Fazit 

In den Jahren 2004 – 2008 haben wir während unserer DEVIEMED-Einsätze über 200 Kinder untersucht und überwiegend doppelseitig mit Hörgeräten versorgt. Es handelte sich dabei überwiegend um hochgradige bis an Taubheit grenzende Schwerhörigkeiten. Bewegend und überaus motivierend war es, früher durch uns versorgte Kinder in Folgejahren wieder zu treffen und zu erleben, welch sprachliche Fortschritte diese dank der Hörgeräteversorgung in der Zwischenzeit gemacht hatten. Unser Ziel für die Zukunft muss es sein, den Zeitpunkt der Hörgeräteanpassung bei den versorgungsbedürftigen Kindern so früh wie möglich zu plazieren, zugunsten eines möglichst optimalen Spracherwerbs. Dazu muss das Bewusstsein bei den Mitarbeitern der entsprechenden Einrichtungen (pädiatrische Abteilungen, Kindergärten, Heime etc.) geschärft werden. 

Abschließend sei erwähnt, dass unsere Arbeit ohne die uns unterstützenden, dankenswert großzügigen Sponsoren nicht möglich wäre, In alphabetischer Reihenfolge sind da zu nennen: 

AURIC-Hörsysteme, Dr. Wilhelm Bichmann (Privatspende), Laurenz Brüggemann (wiederholt Privatspenden),  COCHLEAR, DREVE-OTOPLASTIK, Monika und Klaus Ernsting (Privatspende),  FORUM BESSER HÖREN, HARDY SCHMITZ GmbH, INNER WHEEL Rheine, Hörgeräte-GEERS, Hörgeräte-JANDAUREK, INTERACOUSTICS, International Fellowship of Motorcycling Rotarians, KARL STORZ, ORTOP, OTICON, OTOMAG, RAYOVAC, ROTARY Rheine, SIEMENS, SPIGGLE & THEISS, Peter und Heidi Timmermann (Privatspende), VARTA, Gebr. WILLERS


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