Da Nang 2012

Am 10.3. Treffen der Teilnehmer am Flughafen Frankfurt:

Dr. Christoph Isselstein (HNO), Dr. Julia Isselstein (HNO), Prof. Dr. Tanja Jantzen (Anaesthesie), Felix Kunz (Zahnarzt, Dokumentation), Prof. Dr. Dr. Jürgen Reuther (MKG), Mary Rosolski (Anaesthesie), Susanne Schaper (Anaesthesie), Dr. Dr. Helmut Sieber (MKG), Prof. Dr. Angelika Stellzig-Eisenhauer (Kieferorthopädie), Dr. Ta van Hop (Kinderarzt), Dr. Dr. Thomas Teltzrow (MKG), Dr. Thorsten Lohs(Anaesthesie).

Die Reise ging diesmal über Ho Chi Minh City nach Da Nang. Ankunft in Da Nang am Sonntag (11.3.) 14.00. Am neuen internationalen Flughafen wurden wir vom Direktor Cuc und seiner Mannschaft sowie vom ehemaligen Direktor des Hospital C Dr. Xan mit seiner Familie sehr herzlich empfangen. Direkt von dort ging es in die Klinik, wo bereits die ersten Patienten und ein Fernsehteam auf uns warteten. Ein Teil der Mannschaft begann mit dem Einrichten des OP, der Rest untersuchte 50 Kinder und bereitete den OP-Plan für die erste Woche vor. Die Patienten kamen alle aus weit entlegenen Provinzen (z.T. über 1400 Km) nach Da Nang. Darunter war eine große Anzahl von primären Spalten im Alter bis zu drei Jahren, wobei auch die Gesamtzahl von 25 primären Spaltbildungen (17 einseitige und 8 doppelseitige durchgehende Lippen-Kiefer-Gaumensegelspalten) deutlich höher lag als in den vergangenen Jahren. 

Nach Einladung zum Abendessen durch die Klinik kam endlich das langersehnte Bett.


 

Der Beginn der Arbeit am Montag verzögerte sich, da das neue Narkosegerät zuerst zusammengebaut und demonstriert werden musste. Dazu war ein vietnamesischer Ingenieur Herr Son und der General Manager ASEAN North von Draeger Herr Andreas Harbauer aus HCMC angereist. Sie wiesen uns und die vietnamesichen anästhesiologischen Mitarbeiter des Reha-Krankenhauses in die Bedienung des Gerät ein. und betreuten uns und das Gerät den ganzen Tag. Zur weiteren Verbesserung unserer Op-Ausstattung hatten wir über die Firma BBraun vier Perfusoren bestellt, die bereits an Dr. Long ausgeliefert worden waren. Mit großem Einsatz und dem nötigen Improvisationsgeist konnte das Op-Programm durchgezogen werden (Op-Ende 20:45).

Am Dienstagmorgen gegen 7:00 wurde die vietnamesichen anästhesiologischen Mitarbeiter der Reha-klinik noch mal vomHerrn Son in die Bedienung des Narkosegeräts eingewiesen. Gegen 9:30kam der Office & Sales Manager S.E. Asia &Far East der Münchner Medizin Mechanik Herr Peter Lindner aus Bangkok in unser Reha-Krankenhaus, um uns bezüglich der geplanten Ausstattung mit einer neuen Sterilisationsanlage zu beraten und die vor Ort notwendigen Maßnahmen zu überprüfen. Er wird uns in Kürze ein detailliertes Angebot unterbreiten. Am Nachmittag standen weitere 28 Patienten zur Untersuchung an.

Wir untersuchten am Mittwoch nachmittags 30 neue Patienten und am Montag der 2. Woche nachmittags auch 31 neue Patienten. Zu medizinischer Versorgung durch Deviemed und das Reha-Krankenhaus wurden insgesamt 127 Patienten erfasst.

Das OP-Programm der ersten Woche war mit 39 Op´s voll ausgelastet und wir mussten sehr zum Leidwesen unserer vietnamesischen Kollegen bis spät in den Abend arbeiten. Dabei übernahm Helmut Sieber dankenswerterweise wieder die Aufgabe Dr. Long die Eingriffe zu assistieren am 1.Op-Tisch und somit die Grundlage für den nachhaltigen Erfolg des Zentrums zu schaffen. 

 

In der zweiten Op-Woche konnten wir nur an vier Tagen operieren und es wurden 31 weitere Kinder versorgt.

 

Op´s:

Lippe rechts 7

Lippe Links 10

Lippe beidseits 8

Lippen insgesamt 25

Quere Gesichtsspalte 1

Gaumenverschlussplastik 23

Verschluss von Restlöchern und Fisteln 18

Lippenkorrekturen 4

HNO-Op´s 7

Gesamtzahl 77

 

Da die Klinik zur Zeit noch keinen festen Anaesthesisten verpflichten konnten, waren mehrere Kanditaten eingeladen worden mit uns zusammenzuarbeiten. Frau Prof. Jantzen übernahm die z.T. mühevolle Aufgabe die Kollegen in die Säuglingsnarkosetechnik einzuführen. Mit Dr. Tan scheint ein Kollege gefunden zu sein, der diese Aufgabe übernehmen kann.

Herr Dr. Ky, Stellvertreter des Klinik-Direktors, ein plastischer Chirurg, assistierte uns am 2.Op-Tisch mit voller Begeisterung. Ihm wurden die wichtigen Op-Techniken gezeigt. Er wird in den nächsten Wochen zusammen mit Dr.Long ohne unsere Anwesenheit 12 Kinder selber operieren.

Die hals-nasen-ohrenärztliche Betreuung unserer Kinder wurde von Frau Dr. Julia Isselstein wahrgenommen, die gleichzeitig als sogenannte Allzweckwaffe für Photo-Dokumentation, zur Op-Assistenz und als Instrumentierschwester missbraucht wurde. Daneben hatte sie auch die schwierige Aufgabe unsere Reisekasse zu verwalten (s. auch den Bericht von Dr. Christoph Isselstein).

Im Lauf der ersten und zweiten Woche haben wir weitere 48 Kinder zur Behandlung erfasst ( insgesamt 126), die alle von Frau Prof. Stellzig-Eisenhauer mit ihrem Team ( Frau Dr. Chi, die seit Januar wieder nach Da Nang zurückgekehrt war und Dr. Felix Kunz) einheitlich dokumentiert und in unsere neue Access-Datenbank aufgenommen wurden. Daneben wurden die Patienten von den Einsätzen März 2011 und Oktober 2011 in das System eingepflegt incl. der prä- undpostoperativen Photodokumentation. Damit steht uns jetzt erstmals eine komplette Datenbank zur Verfügung, die über alle Patientendaten verfügt (Krankenblatt, präoperative Untersuchung, Operationsbericht, postoperativer Verlauf, prä-und postoperative Fotodokumentation). Die Datenbank wurde von Felix Kunz in Würzburg programmiert und während des Einsatzes ständig verbessert. Für die Funktion und die Nachhaltigkeit des Zentrums ist damit ein weiterer entscheidender Schritt getan, da er neben der Dokumentation der Tätigkeit auch eine kritische Überprüfung der Ergebnisse ermöglicht.

Das gleiche Team untersuchte alle Patienten bezüglich einer notwendigen zahnärztlichen und/ oder kieferorthopädischer Behandlungsnotwendigkeit.

In einem Recall wurden des Weiteren die kieferorthopädisch voruntersuchten Patienten von 2011 einbestellt.

Von 18 Patienten wurden die kompletten kieferorthopädischen Befunde wie Photostat, OPG, FRS und Modelle erhoben und ausgewertet. Für einen sofortigen Behandlungsbeginn wurden 11 Patienten ausgewählt und ein individueller kieferorthopädischer Therapieplan erstellt. Frau Chi wird die kieferorthopädische Therapie nach dem Einsatz durchführen und dokumentieren.

Darüber hinaus wurden 3 aktive Platten und 2 Obturatoren hergestellt und eingegliedert.

Von den neuvorgestellten und wiedereinbestellten Patienten wurden insgesamt 24 Patienten zahnärztlich behandelt und Mundhygieneinstruktionen durchgeführt. Komplexe Eingriffe sowie solche mit erhöhtem Nachsorgeaufwand wurden befundet und zur zahnärztlichen Weiterbehandlung durch Dr. Long im Intervall eingeplant.

Alle operierten Patienten werden nach Möglichkeit vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff von Dr. Long einbestellt, nachuntersucht und dokumentiert. Damit wird ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit getan, da er dokumentiert, dass mit der Operation die Behandlung nicht abgeschlossen ist und wir uns auch weiterhin um die Kinder kümmern.

Am Freitagabend waren wir von Dr.Long eingeladen und konnten sein Haus und seine neuen Praxisräume Mitten in Da Nang besichtigen. Die Praxis ist mit drei Behandlungsstühlen ausgestattet und machte auf uns einen sehr guten Eindruck. Dr. Long schilderte uns, dass er für die zahnärztliche Behandlung der Patienten mit einer Zahnärztin und einem Zahnarzt zusammenarbeitet. Daneben werden eine Reihe von Behandlungsmaßnahmen wie in Vietnam üblich von Zahnarzthelferinnen ausgeführt. Damit ist gesichert, dass wir mit Dr.Long ein festes Standbein in Da Nang haben. 

 

HNO-Tätigkeitsbericht DEVIEMED-Einsatz März 2012

Julia Isselstein / Christoph Isselstein

Abweichend von früheren Einsätzen waren wir diesmal in der komfortablen Situation zu zwei HNO-Ärzten im Team vertreten zu sein. So konnte sich Julia im Spaltteam im Hospital for Orthopedics and Rehabilititation einerseits um die Mittelohrbeurteilung und ggf. Paukendrainagen kümmern. Darüber hinaus übernahm sie Funktionen einer bei diesem Einsatz nicht extra mitgereisten Instrumentierschwester – eine Aufgabe, mit der sie von früheren DEVIEMED-Einsätzen her noch vertraut war. Außerdem führte sie die DEVIEMED-Kasse, übernahm Dokumentationsaufgaben und betätigte sich im OP als „Mädchen für Alles“ – war also insgesamt gut ausgelastet.

Ich hatte daher Zeit mich im Provinzkrankenhaus von Cam Le – früher Hoavang-Hospital - zusammen mit Herrn Dr. Tho einerseits um das Hörgeräteprogramm zu kümmern und andererseits dort Ohroperationen – überwiegend Tympanoplastiken durchzuführen. Letzteres hatte neben der Weiterbildung von Dr. Tho auch das Ziel, der Verwaltung des Hauses Unterstützung zu signalisieren, um im Gegenzug für Dr. Tho eine Freistellung für seine zukünftigen Aufgaben im Spaltzentrum zu erreichen. Wir versorgten 32 überwiegend hochgradig schwerhörige Kinder, die zumeist aus der neuen eingerichten Zentral-Schule für Behinderte Kinder der Stadt Da Nang stammten, mit Hochleistungshörgeräten. Die in Vorjahren aufgebaute Infrastruktur funktioniert mittlerweile gut. Die Kinder waren nahezu alle bereits durch Dr. Tho voruntersucht und audiometriert. Einige hatten bereits angefertigte Paßstücke dabei, so daß die Anpassung selbst rel. zügig vonstatten ging. Der Junge Vy - vor Jahren von uns erfolgreich mit Hörgeräten versorgt und in der Herstellung von Ohrpaßstücken geschult – stand uns dabei hilfreich zur Seite. Dank großzügiger Materialspenden (Hörgeräte durch das Hörzentrum Rheine/AURIC, 600 Hörgerätebatterien durch die Fa. RAYOVAC und Material zur Herstellung von Paßstücken durch die Fa. DREWE, MADSEN-Klinikaudiometer durch Fr. Prof. Am Zehnhoff Dinnesen/Klinik für Pädaudiologie und Phoniatrie der Universität Münster) müßte es in Zukunft möglich sein, daß bei nächsten DEVIEMED-Einsätzen unsererseits nur noch ein Akustiker mitreist, der – ausgerüstet mit entsprechender Einstellungssoftware – die Anpassung der Hörgeräte durchführt. Dies könnte dann – da die zeitraubende Arbeit der Paßstückanfertigung und Voruntersuchung – bereits vor Ort im Vorfeld erledigt – mit hoher Effizienz und in großer Anzahl an Versorgungen erfolgen.

Wir führten 7 Ohroperationen durch. Es handelte sich neben einem Adhäsivprozeß und einer Mastoidektomie überwiegend um Tympanoplastiken. Die Eingriffe wurden in Lokalanästhesie durchgeführt mangels zuverlässiger ITN-Optionen. Vorgesehen waren deutlich mehr Patienten – untersucht haben wir 32 – die meisten mußten allerdings wegen bestehender lebhafter Superinfektionen (meist Mycosen) auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet werden. Dr. Tho, der den größten Teil der Operationen unter Anleitung selbst durchführte, zeigte im Verlauf einen erkennbaren Erfahrungsgewinn.

Gedankt sei neben den oben erwähnten - die Firmen KURZ-BESS und SPIGGLE u. THEISS für großzügige Materialspenden (Mittelohrprothesen, Verbrauchsmaterialien / Tympanoplastik).

Am Nachmittag des 2. Mittwochs wurde von Frau Prof Jantzen ein kleines Seminar in Grundzügen der Kinderanästhesie für die anästhesiologischen Pfleger und Techniker gehalten. Weitere Fortbildungen in Kinderanästhesie werden geplant.

Am 23.3. haben wir den OP wieder ausgeräumt und anschließend unser gesamtes Material, das in Da Nang gelagert ist inventarisiert. Das Instrumentarium wurde vollständig auf Funktionsfähigkeit und Vollständigkeit überprüft. Einige Instrumente wurden aussortiert und zur Überprüfung sowie Ergänzung mit nach Deutschland genommen. Die Instrumente wurden sorgfältig gereinigt und mit Instrumentenspray versorgt. Nach neuen Packlisten wurden die Siebe gepackt und unsteril in unserem Büro eingelagert. Auf unserem Computer sind die Listen der Inventur und die Packlisten hinterlegt und können zur Komplettierung durch neue Teams jederzeit abgerufen werden.

Bei der Abschlussbesprechung mit der Klinik am 23.3.2012 haben wir die vom Ministerium vorgegebene Kostenrechnung von 3 002 000 Dong pro Op-Fall nochmals diskutiert. Als Beteiligung der Klinik bzw. des Ministeriums wurden die Kosten für sieben Patienten übernommen (10%). Für die restlichen 63 Kinder mussten wir wegen des ungünstigen Wechselkurses 7 000.- € bezahlen, was die pro Fallzahlung auf 111.-€ gegenüber den im letzten Jahr vereinbarten 100.-€ erhöhte. Es wurde nochmals auf die Vereinbarung bzw. im Vertrag festgeschriebene Übernahme der Kosten hingewiesen, die nach Ablauf der fünf Jahre 100% sein muss.

Mit der Klinik wurde ein Vertrag über die Funktion und Tätigkeit von Dr. Long abgeschlossen. Er wird in Zusammenarbeit mit der Klinik die Patienten für den nächsten Einsatz aussuchen und vorbereiten, z. B. mit dem Direktor des Krankenhauses die Sammelstellen/Gesundheitsposten/Krankenhäuser in den Provinzen und Bergregionen in einem regelmäßigen Abstand von 2-3 Monaten besuchen. Er wird demnächst zumindest die 12 ausgesuchten Kinder selbständig operieren. Daneben wird er regelmäßig, soweit dies logistisch möglich ist, die operierten Kinder nachsorgen.

Am Donnerstag haben wir eine Abschlussfeier mit der Klinik, zu der wir auch die Familie unseres Ehrenmitglieds Dr. Pham Xan eingeladen hatten, organisiert.

Aufgrund der langen Op-Tage kam unser Freizeitprogramm deutlich zu kurz. Vor allem unsere Kollegen, die zum ersten Mal in Da Nang waren, haben sehr wenig von der Stadt und Umgebung gesehen. Neben einem Ausflug auf dem Moped zum Wolkenpass stand nur ein Nachmittag am Strand und ein Abendausflug nach Hoi An auf dem Programm. Insgesamt muss man jedoch feststellen, dass Vietnam eine rasante (vielleicht nicht immer gesunde) Entwicklung durchmacht. Die alten Strukturen werden zerstört und durch moderne „Prachtsbauten“ ersetzt, eine Entwicklung wie wir sie vor allem aus Südeuropa kennen.

Nach der Abschlussvisite am Samstagvormittag stand der Rest des Tages zur freien Verfügung. Am Nachmittag wurden wir von der Klinik und der Familie von Dr. Pham am Flughafen herzlich verabschiedet und traten unsere Heimreise an. Das von uns erhoffte Durchchecken nach Frankfurt war in Da Nang nur für unser Gepäck möglich, was aber das Anstehen in Hanoi deutlich erleichterte und verkürzte. Leicht verkatert kamen wir dann am Sonntagmorgen in Frankfurt an.

Insgesamt kann man den Erfolg unseres Einsatzes positiv bewerten, da es uns gelungen ist einen weiteren Schritt für eine nachhaltige Behandlung der vom Schicksal schwer betroffenen Kinder zu tun und auch (scheinbar oder anscheinend) die Einsicht hierfür bei unseren vietnamesischen Partnern zu erreichen.

Für dieses Jahr ist ein weiterer Einsatz im September in Vorbereitung.

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