Bericht Da Nang April 2013

Die Mitgliederversammlung am 3.10.2012 hatte nach ausführlicher Diskussion der noch ungeklärten Problematik der anästhesiologischen Versorgung einstimmig beschlossen, unser Projekt „ Spaltzentrum am Da Nang Orthopedics and Rehabilitation Hospital“ fortzuführen. Der Entschluss sollte durch eine große Investition zur Verbesserung der Sterilisation und eine offizielle Einweihung des Zentrums dokumentiert werden. Frau Dorothea Andritschke- Urban wurde vom Vorstand zur Einweihung eingeladen und hatte ihr Kommen zugesagt.

 Der Vertrag mit der Firma MMM zur Lieferung der Sterilisationseinheit (Sterilisator, Waschmaschine incl. Desinfektor, Ultraschallbad, Einschweißgerät) konnte Ende November abgeschlossen werden. Vorausgegangen war eine lange Verhandlungs- und Planungsphase unter Einbeziehung der Leitung des Hospitals in Da Nang.

Am 12.4. trafen sich die Teilnehmer am Einsatz in Frankfurt:

Luljeta Bunjaku (OP-Schwester), Dr. Ingrid Butterhof (Anästhesie), Hoang Anh Cao (Dolmetscher, Ingenieur), Dr. Julia Isselstein (HNO),  Dr. Thomas Klapprott (Anästhesie), Dr. Felix Kunz (Zahnarzt, Dokumentation), Prof. Dr. Dr. Christian Michel (MKG), Prof. Dr. Dr. Jürgen Reuther (MKG), Dr. Dr. Helmut Sieber (MKG), Prof. Dr. Angelika Stellzig- Eisenhauer (Kieferorthopädie), Dr. Ta van Hop (Kinderarzt), Dr. Dr. Thomas Teltzrow (MKG), Dr. Sebastian Thoma (Anästhesie) und das Filmteam mit Harald Wiese, Kathi und Moritz.

Die Reise ging über Hanoi nach Da Nang. Ankunft in Da Nang am Samstag (13.4.) 9.20 Uhr. Am neuen internationalen Flughafen wurden wir vom Direktor Cuc und seiner Mannschaft sowie vom ehemaligen Direktor des Hospital C Dr. Pham mit seiner Familie sehr herzlich empfangen. Nach kurzem Zwischenstop im neuen D&C Hotel ging es um 14.00 in die Klinik. Dort warteten bereits über 100 Patienten vorwiegend aus entlegenen Bergregionen, in denen sehr arme Minderheiten leben. 

Die Mannschaft teilte sich in drei Gruppen: Die erste Gruppe begann mit der Untersuchung und Dokumentation der Patienten, die zweite Gruppe bereitete den Op und das Instrumentarium vor und die dritte Gruppe führte erneut die Diskussion über den Standort der neuen Sterilisation, da in der Zwischenzeit neue Ideen bei der Klinikleitung entstanden waren. Oder war es vielleicht auch ein Ablenkungsmanöver, da die versprochenen Vorbereitungsmaßnahmen noch nicht stattgefunden hatten? Nach längerer Diskussion wurde dann doch der alte Standort, für den bereits detaillierte Pläne vorlagen, akzeptiert. Mit einigen Umbauten ist jetzt ein kreuzungsfreier Zu- und Abgang von sterilem und unsterilem Op- Material möglich.

Zwischenzeitlich trafen dann auch die beiden Holzkisten mit unserer Sterilisationsanlage ein. Sie hatten eine über dreiwöchige Wartezeit  bei der Zollabfertigung hinter sich. Dabei eröffnete sich das nächste Problem, wie gelangt der neue Steri an seinen Bestimmungsort? Die Kiste mit 1,3 Tonnen ist mit reiner Menschenkraft nicht zu bewegen und eine Zerlegung des Geräts ist ebenfalls nicht möglich! Wie die nächste Woche zeigte, ist dieses Problem mit vietnamesischer Flexibilität und Erfindungsreichtum auch mit einfachen Mitteln lösbar. Eine große Hilfe stellte dabei die Anwesenheit des für die Installation von MMM bestellten Technikers, Herrn Oai dar. 

Nach dem Abendessen, zu dem uns die Klinik eingeladen hatte, kam endlich das langersehnte Bett.

 

Am Sonntag wurden die restlichen Patienten untersucht und der OP- Plan für die kommende Woche erstellt. Teilweise war in dieser Woche die Möglichkeit gegeben, dass an drei Tischen operiert werden konnte. Prof. Son aus Hanoi ergänzte dabei unsere OP- Mannschaft und Dr. Tan konnte zeitweise als dritter Anästhesist gewonnen werden. Dadurch konnte sich Prof. Michel voll auf die Weiterbildung von Dr. Long konzentrieren und der Präsident die Organisation und die Aufsicht über die Baumaßnahme wahrnehmen.

Mit großem Einsatz und dem nötigen Improvisationsgeist konnte das OP- Programm und die Baumaßnahme in der ersten Woche durchgezogen werden.

Am Freitag den 19.4.2013 konnten wir Frau Andritschke- Urban und Ihre Nichte Frau Sabine Kiffer am Flughafen empfangen. Nach kurzem Aufenthalt in ihrem Hotel begleiteten uns die beiden Damen in die Klinik, wo wir weitere 72 Patienten untersuchten. 

Baumaßnahme 

Wie eingangs erwähnt waren die vereinbarten Vorbereitungsmaßnahmen nicht erfolgt, sodass der gesamte Umbau nochmals geplant und umgesetzt werden musste, was ohne die tatkräftige Unterstützung von Luong Dieu Oai nicht funktioniert hätte.

Zunächst mussten einige Abbrucharbeiten im OP durchgeführt werden, um den kreuzungsfreien Verkehr von Sterilgut und unsterilem OP- Instrumentarium zu gewährleisten. Die gesamten Vorarbeiten erfolgten sehr zügig immer unter der Prämisse, dass wir zunächst mit den Kosten einverstanden waren und diese im Voraus in bar zur Verfügung stellten. Unter dieser Voraussetzung lief die gesamte Baumaßnahme mit einfachen Mitteln überaus unbürokratisch, flexibel und schnell. Drei Beispiele, die in unserem Land so nicht denkbar gewesen wären, sollen dies dokumentieren.

 

  1. Für den Abfluss unseres Steri´s war eine Kernbohrung durch eine 50 cm dicke Betondecke notwendig. Dafür stand eine veraltete Schlagbohrmaschine mit einem 10 Bohrer sowie Hammer und Meisel zur Verfügung. Nach einem halben Tag stand eine im Durchmesser 10 cm große, exakt runde Bohrung zur Verfügung.
  2. Auch das zunächst als fast unlösbar erscheinende Problem des Transports unseres Steri´s in den fünften Stock wurde innerhalb von drei Tagen ohne Einschaltung eines Statikers mit der Herstellung einer individuell hergestellten Rampe, einem fahrbaren Kran und sehr einsatzfreudigen geschickten Arbeitern gelöst.
  3. Oder die Planung und Herstellung der Edelstahlmöbel für die Sterilisation (6 Arbeitstische mit jeweils 6 Schubfächern, 2 Arbeitstische ohne Schubladen, 4 Regale, 1 fahrbarer Wagen für Sterilgut und ein großes Doppelwaschbecken) innerhalb von drei Tagen.

Von den Kosten für diese Beispiele kann man in unserem Land nur träumen.

Unter den genannten Voraussetzungen und mit einem gewissen Verlust an Nervensubstanz wurde innerhalb von 6 Tagen die Maßnahme durchgezogen. Am Freitag den 19.4.2013 stand uns der neue Sterilisator zum Gebrauch zur Verfügung und am Montag den 22.4. war die Baumaßnahme abnahmebereit.  


Feierliche Eröffnung

 Die feierliche Eröffnung unseres Zentrums fand am 22.4.2013 ab 14.30 Uhr in dem großen Veranstaltungsraum der Klinik statt. Neben zahlreichen Vertretern der lokalen Verwaltung, der Nachbarkliniken und der Universität war das Ministerium of Labour, Invalids and Social Affairs durch den Deputy Minister Bui Hong Linh und die Bundesrepublik Deutschland durch den Generalkonsul Dr. Stell mit seiner Frau vertreten. Daneben war es uns eine besondere Freude und Ehre, dass unsere Sponsorin Frau Andritschke- Urban zusammen mit ihrer Nichte Frau Sabine Kiffer, die ebenfalls im Vorstand der H. und D. Urbanstiftung tätig ist, persönlich nach Da Nang gekommen waren, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen und uns eine Woche lang bei der Arbeit zu begleiten.



In den verschiedenen Ansprachen wurde von Direktor Cuc, Deputy Minister Linh und Generalkonsul Dr. Stell die Besonderheit unseres Zentrums herausgestellt, nämlich die nachhaltige und umfassende Betreuung der Spaltpatienten mit dem wesentlichen Aspekt der Hilfe zur Selbsthilfe.

In einem kurzen Vortrag wurde vom Präsidenten die Struktur und der Aufbau des interdisziplinären Behandlungszentrums dargestellt und mit einigen klinischen Beispielen die Notwendigkeit der umfassenden Behandlung demonstriert. Nur durch die kombinierte Therapie, die eine Langzeitbehandlung von der Geburt bis ins frühe Erwachsenenalter erfordert, sind dauerhafte funktionelle Störungen wie Sprachprobleme, Schwerhörigkeit, Gebiss- und Kieferfehlstellungen und Probleme bei der Nahrungsaufnahme zu vermeiden.  

Als Zeichen unserer Dankbarkeit für die großzügige Unterstützung unserer Arbeit konnte der Präsident Frau Dorothea Andritschke- Urban die Urkunde über die Ehrenmitgliedschaft in unserer Gesellschaft überreichen.

Abschließend bedankte sich ein Patientenvater im Namen der anwesenden Eltern und Kinder für unsere Hilfe und die gute Behandlung.

Im Anschluss konnten die Anwesenden die neue Sterilisation und die OP- Räume besichtigen und mit den Teilnehmern am Einsatz diskutieren. Anschließend waren alle Gäste und Mitarbeiter der Klinik von DEVIEMED zu einem Empfang eingeladen, der sehr fröhlich und heiter endete. 

 

Klinik

 

Von den gesamt 184 untersuchten Patienten wurden 141 Patienten in unserem Dokumentationssystem erfasst. Die restlichen 43 Patienten entsprachen nicht unseren OP- Vorgaben bzw. litten an Erkrankungen, die von uns nicht vor Ort versorgt werden konnten.

In den beiden OP- Wochen konnten wir 79 Patienten operativ versorgen, wobei das OP- Programm sehr zum Leidwesen unserer vietnamesischen Kollegen z. T. bis spät in den Abend ausgedehnt werden musste.

OP´s:  
Lippe rechts    3
Lippe Links 18
Lippe beidseits   8
Gaumenverschlussplastik  33
Verschluss von Restlöchern und Fisteln     10
Lippenkorrekturen   5
Tumorentfernungen   2
Gesamtzahl  79

 

Zum Teil wurden bei diesen 79 Patienten gleichzeitig mehrere Eingriffe vor allem Paukendrainagen daneben primäre Rhinoplastiken, Lippenkorrekturen, Tonsillektomien oder Velopharyngoplastiken durchgeführt.

Von den erfassten Patienten wird Dr. Long im Intervall 33 Kinder operativ versorgen, die restlichen 29 wurden für die Versorgung im September vorgesehen und sind wiederbestellt.

Wie im letzten Jahr wurde die hals-nasen-ohrenärztliche Betreuung unserer Kinder  von Frau Dr. Julia Isselstein wahrgenommen, die gleichzeitig als sogenannte Allzweckwaffe für die intraoperative Foto- Dokumentation und zur OP- Assistenz „missbraucht“ wurde. Daneben hatte sie auch die schwierige Aufgabe unsere Reisekasse zu verwalten.

Das Team mit Frau Prof. Stellzig- Eisenhauer, Dr. Pham Chi und Dr. Felix Kunz untersuchte alle 141 Patienten bezüglich einer notwendigen zahnärztlichen und/ oder kieferorthopädischen Behandlung. Zur zahnärztlichen Behandlung wurden die Patienten in die Praxis von Dr. Long geschickt.

Die von Dr. Pham kieferorthopädisch behandelten 10 Patienten wurden zur Kontrolle einbestellt und der Behandlungsfortschritt durch Zwischenunterlagen dokumentiert. Von 8 Patienten wurden die kompletten kieferorthopädischen Befundunterlagen wie Fotos, Röntgenbilder (OPG, FRS) und Situationsmodelle erstellt, ausgewertet  und ein individueller kieferorthopädischer Therapieplan erstellt. Dr. Pham wird die kieferorthopädische Behandlung übernehmen. 

Für die Akutbehandlung wurde für drei Patienten ein Obturator hergestellt und eingegliedert.

Das gleiche Team war ebenfalls für die Fotodokumentation und die Pflege unserer Access- Datenbank zuständig. Diese Dokumentation ist für die nachhaltige Funktion unseres Zentrums von entscheidender Bedeutung, da es neben dem Beleg für unsere Tätigkeit die Grundlage für eine kritische Langzeitüberprüfung der Ergebnisse darstellt.

Alle operierten Patienten werden nach Möglichkeit vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff von Dr. Long einbestellt, nachuntersucht und dokumentiert. Damit wird ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit getan, da er dokumentiert, dass mit der Operation die Behandlung nicht abgeschlossen ist und wir uns auch weiterhin um die Kinder kümmern.

Am 25. und 26.4. wurde der OP ausgeräumt und anschließend unser gesamtes Material, das in Da Nang gelagert ist, inventarisiert. Das Instrumentarium wurde vollständig auf Funktionsfähigkeit und Vollständigkeit überprüft. Einige Instrumente wurden aussortiert und zur Überprüfung sowie Ergänzung mit nach Deutschland genommen. Die Instrumente wurden sorgfältig mit Instrumentenspray gereinigt und geölt, in der neuen Anlage sterilisiert und in unserem Büro eingelagert. Auf unserem Computer sind die Listen der Inventur und die Packlisten hinterlegt und können zur Komplettierung durch neue Teams jederzeit abgerufen werden. 

Bei der nicht unbedingt erfreulichen Abschlussbesprechung mit der Klinik am 25.4.2013 haben wir die vom Ministerium vorgegebene Kostenrechnung von             3 002 000 Dong pro OP- Fall nochmals diskutiert.

Als Beteiligung der Klinik bzw. des Ministeriums wurden die Kosten für 24 Patienten übernommen (30%). Für die restlichen 55 Kinder mussten wir die vereinbarte Zahlung leisten. Es wurde von unserer Seite nochmals auf die Vereinbarung bzw. im Vertrag festgeschriebene Übernahme der Kosten hingewiesen, die nach Ablauf der fünf Jahre 100% betragen muss.

Am Donnerstagabend waren wir zu einem Abschlussessen von Frau Andritschke- Urban eingeladen, das gemütlich auf unserer Hotelterrasse ausklang. Als großzügiges Gastgeschenk hat uns dabei Frau Andritschke - Urban die Übernahme der Kosten für die Ausstattung der Sterilisation mit Edelstahlmöbeln zugesagt!

Aufgrund der langen OP- Tage kam unser Freizeitprogramm deutlich zu kurz. Vor allem die Kollegen, die zum ersten Mal in Da Nang waren, haben leider sehr wenig von der Stadt und seiner Umgebung gesehen. Neben einem Ausflug auf dem Moped zum Wolkenpass stand nur ein Nachmittag am Strand und ein Abendausflug nach Hoi An auf dem Programm.

Die Rückreise wurde in unterschiedlichen Gruppen angetreten. Ein Teil der Mannschaft flog am 26.4. über Ho Chi Minh City direkt nach Frankfurt, eine andere Gruppe machte einen Stop in Hanoi, um sich nochmals mit Prof. Son zu treffen und der Rest blieb noch einige Tage in Vietnam, um Verwandte zu besuchen oder etwas Erholung zu tanken.

Unser Einsatz ist grundsätzlich sehr positiv zu bewerten, da es uns gelungen ist einen weiteren Schritt für eine nachhaltige Behandlung der vom Schicksal schwer betroffenen Kinder zu tun und auch (scheinbar oder anscheinend) die Einsicht hierfür bei unseren vietnamesischen Partnern zu erreichen.

Für September ist ein weiterer Einsatz in Vorbereitung.

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