2015/03 Da Nang HNO

DEVIEMED-Einsatz März 2015

Anmerkungen

 

Entgegen unseren Befürchtungen wurde uns auch vom neuen Klinikdirektor signalisiert, daß wir weiterhin willkommen sind und man gewillt ist unser Projekt auch in Zukunft zu unterstützen. Man sei  bereit, sich an den Unterhaltskosten - insbesondere auch an dem Gehalt von Dr. Long  –  in nennenswertem Umfang zu beteiligen. 

Dies Klima wohlwollender Unterstützung war auf breiter Ebene bis zur kleinsten OP-Putzfrau erlebbar. Alle arbeiteten motiviert mit. Long und Ky waren bei nahezu jedem Eingriff beteiligt. Anästhesist Tan  (der „weiße Riese“) war bemüht von Burghard Steege dazu zu lernen. Hier ist nach wie vor  hinderlich das Sprachproblem. Seine Englischkenntnisse sind leider immer noch nicht ausreichend.

Von Seiten unseres Team ist das Dazustoßen von Jan Lenz als Kieferchirurg und Hang – Vietnamesin aus Hanoi, die in Köln z.Zt. ihre HNO-Facharztausbildung absolviert – als großer Gewinn zu werten. Jan als souveräner Operateur, geduldiger Supervisor und auch routinierter Dozent. Hang mit der Fähigkeit Arbeit zu sehen, mit Durchsetzungsvermögen und dem Potential Hop in der Zukunft  bei seinen vielfältigen organisatorischen Aufgaben zu unterstützen.  Beide fügten sich sehr harmonisch ins Team.

Eines der  Hauptprobleme unseres Spaltzentrums ist nach wie vor die mangelnde anästhesiologische Kompetenz vor Ort, die eine umfangreichere operative Tätigeit von Long außerhalb unserer Einsätze verhindert. Die Idee, dbzgl. in  Kooperation mit dem Kinder-Hospital zu treten, scheint nicht realisierbar zu sein. Nachdem was Hop erfahren hat, sind dort allein in diesem Jahr (?) schon etwa 400 (!!) Spaltoperationen von vietnamesischen Operateuren unter dem Banner von Smile-Train und Operation-Smile durchgeführt worden mit Pro-Kopf-Pauschalen von ca. 300,- Dollar. Es ist kaum vorstellbar, daß man dort bereit ist, eine „Konkurrenz“ vor Ort durch uns mit dem Ausleihen von Anästhesisten zu fördern.  Also müßte man Long motivieren, Anästhesisten aus anderen Regionen als Honorarkräfte  für bestimmte OP-Tage einzukaufen. Vielleicht hat er die Möglichkeit auf alte Verbindungen in Hue zurück zu greifen. Daß es dem  Rehabilitation-Hospital gelingt, einen kompetenten Anästhesisten mit der von uns gewünschten Leistungsfähigkeit zur Festanstellung zu bewegen, ist vor dem Hintergrund des geringen operativen Leistungsspektrums des Hauses nicht zu erwarten.

Hinsichtlich der Zukunft von Long, seiner Bezahlung und seines Engagements für das Spaltzentrum haben wir uns viele Gedanken gemacht und es wurden auch intensivere Gespräche mit Long geführt (Thomas, Susi, Jan, Hop). Long hat einerseits das oben angesprochene Problem der mangelnden anästhesiologischen Unterstützung, zum anderen beklagt er aber auch, daß die Akzeptanz seiner Praxis nur wachsen kann mit der Festanstellung an einem Haus, über das er sich einen Namen vor Ort machen kann. Die – jetzt ja tatsächlich auch von der Administration angebotene – Festanstellung an  d i e s e m  Haus sei aber kontraproduktiv, da das Haus einen so schlechten Ruf in der Bevölkerung habe. Wir haben dann versucht, ihm klar zu machen, daß der Ruf seiner Abteilung (also des Spaltzentrums) über  s e i n e  qualifizierte Arbeit, die Unterstützung von DEVIEMED und auch seine Dozentenarbeit an der im Entstehen begriffenen medizinischen Fakultät auch unabhängig von der sonstigen Qualität des Hauses wachsen kann.

Als Fazit scheint m.E. eine Festanstellung am Haus (angeboten wurde eine Förderung bis in Höhe unserer Vergütung – also 1.500,- Euro – mit großen zeitlichen Freiräumen für die Arbeit in der eigenen Praxis) unabdingbar. Zur gezielten Förderung seines Engagements sollte die Honorierung m.E. modular aufgebaut werden mit einem  rel. geringen Basissalär, das ergänzt wird durch z.B. folgende Module: Akquise der Patienten mit 1) Aufsuchen (Bergdörfer), Anamneseerhebung und körperlicher Voruntersuchung. 2) Ausfüllen der Dokumentationsbögen einschl. LASHAL-Verschlüsselung und 3) Fotodokumentation. 4) Zusatzbonus bei Erfüllen aller genannter Leistungsschritte. 5) Tagessatz für Mitarbeit bei DEVIEMED-Einsätzen, 6) Nachuntersuchung der Patienten mit 7) Dokumentation und 8) Fotodokumentation. Weiter wäre pro operiertem Fall im Intervall ein Honorar zu zahlen, das so bemessen ist, daß auch die Anästhesieleistung daraus bestritten werden kann.  

Wenn es uns gelingt die Einsätze so gut vorbereitet zu starten, wären auch die unseligen, kraftraubenden Untersuchungsmarathons am Tag unseres Eintreffens entbehrlich. Wir alle kennen die Situation – übermüdete Ankunft in Danang, Absetzen der Koffer im Hotel und Fahrt zum Hospital, wo 40 Kinder mit gefühlt 200 Angehörigen auf uns warten. Daß in diesen Situationen so manche wichtige Information untergeht – (so gerieten auch in diesem Jahr wieder 4-Monate alte Säuglinge  auf den OP- Plan, die nach Anästhesiekriterien erst für den Septembereinsatz vorzusehen waren) und die Dokumentation lückenhaft bleibt ist Erfahrung langjähriger Praxis.

Ideal wäre es, wenn uns die Informationen über die zu operierenden Kinder schon vor dem Einsatz über E.Mail zur Verfügung gestellt werden könnten und damit ein grobrastriger Vor-OP-Plan erstellt werden könnte. Zur Gestaltung des konkreten OP-Planes werden sicherlich seitens Anästhesie und Chirurgen noch Verbesserungsvorschläge kommen. Nach dem was ich mit bekommen habe, wurde seitens Anästhesie mehr Abstimmung erwünscht – insbesondere sollte berücksichtig werden, daß die kleinen Kinder (unter 10 kg?) möglichst nur an Tisch 1 operiert werden sollten wegen des geeigneteren Narkosegerätes.

Als ungünstig erwiesen hat sich die aufgesplittete An- und Abreise der Gruppe.  Voruntersuchung der Kinder, Einrichten des OPs, Aufräumen  und die Inventarisierung am  Ende des Einsatzes, das Schleppen des Materials – all dies wurde  durch eine relativ kleine Rumpftruppe geleistet – nicht gerade stimmungshebend. Dazu kam, daß aufgrund der zu berücksichtigenden vielfältigen An- und Abreisewünsche die Zuordnung des Übergepäcks unzuverlässig war, was uns insbesondere beim Rückflug einige Nerven gekostet hat.   

Insgesamt habe ich den Eindruck, daß wir auf einen sehr  erfolgreichen Einsatz zurückblicken können.  Das Team hat sehr harmonisch  zusammen gearbeitet. Das Haus steht dem Projekt wohlwollend gegenüber. Long und auch Ky sind interessiert an einer Fortsetzung. Angelika hat mit Felix ein offenbar viel beachtetes kieferortopädisches Seminar gehalten (Teilnahmegebühr  in Zukunft?)   und  bei der Gelegenheit  einen offenbar gut ausgebildeten und motivierten KFO aus Danang kennengelernt (zukünftige Kooperation denkbar). Thomas hat uns bei den unvermeidlichen „Honörkes“ anläßlich öffentlicher Einladungen sehr gut vertreten. Angelika, Thomas und Jan  haben auf Einladung der Universität ihre Fachgebiete eindrucksvoll vorgestellt.

 

Christoph Isselstein

 

 

 

 

ShoppingASEhandelASErhvervIndexDKServiceIndexDK