2015/03 Da Nang

Der Einsatz vom 07.- 27.3.2015

 

Teilnehmer:

Johannes Bruhn (OP-Pfleger)

Ingrid Butterhof (Anästhesistin)

Yen Huttmann (Hörgeräteakustikerin)

Christoph Isselstein (HNO-Arzt)

Felix Kunz(Kieferorthopäde)

Jan-Hendrik Lenz (MKG-Chirurg)

Diem Hang Ngyen(HNO-Ärztin)

Susanne Schaper (Anästhesiepflegerin)

Angelika Stellzig-Eisenhauer (Kieferorthopädin)

Burkhardt Steege (Anästhesist)

Hop Van Ta (Kinderarzt)

Thomas Teltzrow (MKG-Chirurg)

Sebastian Thoma (Anästhesist)

 

An- und Abreise:

Der Einsatz vom 13.3.-27.3. war zunächst durch unterschiedliche Anreisezeiten gekennzeichnet. Während ein Teil der Gruppe schon am Freitag dem 13.3. aufbrach, kamen einzelne Gruppenmitglieder erst am Samstag, Dienstag und in der 2. Woche. Die Aufteilung auf zwei Reisegruppen ermöglichte eine Ersparnis von bis zu 300€ pro Platz. Zwei Teilnehmer bezahlten ihre Reisekosten selbst: Die Hörgeräteakustikerin Yen und die neue HNO-Ärztin Hang.

Die Klinikleitung holte die Gruppe vom Flughafen ab, auch Familie Pham begrüßte das Team herzlich und stellte ihre Autos zum Transport ins Hotel und in die Klinik  zur Verfügung.

Am Samstag wurden nach kurzer Erholung im bewährten D&C Hotel die Kinder im Da Nang Rehabilitation and Orthopedic Hospital untersucht, der Sonntag wurde genutzt, das Material zu sichten und auf Zulänglichkeit für den geplanten Eingriff zu prüfen. Alles war in ausreichender Menge vorhanden, abgelaufenes Material wurde aussortiert. Am Nachmittag gab es Zeit zur Erholung am Strand.

 

Patientenmanagement:

Wie üblich wurden die Patienten nach Operationsdauer, Anfahrtsweg und Dringlichkeit priorisiert. Erfreulicherweise war die Anzahl an primären Spaltfehlbildungen dominant und nur vereinzelt waren wir mit den Komplikationen anderer Teams konfrontiert. Vereinzelt sahen wir Krankheitsbilder, die nicht in das Spektrum des Spaltzentrums fielen (Nävi, Verbrennungen, Hämangiome). Diese wurden so gut es geht auf ein Alternativangebot verwiesen, um sorgfältig mit den limitierten OP-Kapazitäten umzugehen. Dem Team standen nur 7 ½ Tage zur OP mit je zwei Tischen zur Verfügung. Die meisten Patienten kamen aus den armen Regionen Mittelvietnams Quang Nam und Quang Ngai, nur wenige aus Da Nang und Umgebung. Nach den ersten beiden Untersuchungstagen stand fest, dass wir so viele Patienten hatten, dass wir auf eine zusätzlichen Transport aus der Hochebene verzichten mussten, fünf Patienten, fanden trotzdem den Weg zu uns. Das Vertrauen in die deutschen Ärzte ist ungebrochen, einige Patienten warten lieber auf das Deviemed-Team, als sich von anderen operieren zu lassen.

Eine schwierige Entscheidung zur OP betraf einen 8 Monate alten Säugling mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, bei dem es angeblich einen Narkosezwischenfall in der Kinder- und Frauenklinik gegeben hatte. Nach bestmöglicher Recherche und Medikamententestung konnte das Kind erfolgreich und ohne Probleme durch Deviemed versorgt werden und wäre andernfalls wahrscheinlich langfristig unversorgt geblieben.

 

Die Operationen begannen am Montag, dem  16.3. mit zunächst nur vier vorzugsweise älteren Kindern. Der Start verlief wie immer spannend, jedoch komplikationslos. Am nächsten Tag konnten auf zwei OP-Tischen täglich sechs Kinder operiert werden. An beiden Tischen waren nahezu durchgehend vietnamesische Ärzte tätig: Ky und Long. Insgesamt konnten 47 Kinder und Erwachsene operiert werden: 21 primäre Gaumenspaltplastiken 15 primäre Lippen, 7 Restlöcher, der Rest verteilte sich auf Hämangiome, seltene Gesichtsfehlbildungen und Korrekturoperationen.

 

HNO-ärztliche Tätigkeiten und Hörgeräteprojekt

Alle 47 zu operierende Patienten wurden nach Narkoseeinleitung oder am Ende des MKG-chirurgischen Eingriffes ohrmikroskopisch untersucht. Wegen der komfortablen personellen Besetzung auch die Patienten bei denen es sich nicht um einen spaltbezogenen Eingriff handelte. Die Erfahrung zeigt, daß auch diese oft von der Möglichkeit einer sorgfältigen Gehögangsreinigung profitieren.

Von den 47 untersuchten Patienten hatten 19 keinen auffälligen Mittelohrbefund. Zweimal wurde eine einseitige chronisch mesotympanale Ottis media mit zentraler Trommelfellperforation gesehen. Ein Patient wies einen einseitigen- und ein Patient einen beidseitigen Adhäsivprozeß auf. Die übrigen 24 Patienten hatten ein- oder doppelseitige Seromukotympanonbefunde. Es wurde 48 Paukenröhrchen plaziert.  11 mal – im Falle lediglich seröser Partialergüsse - beschränkte sich der Eingriff auf eine Parazentese mit Absaugen des Sekretes.

Auffällig im Vergleich zu Vorjahren war die hohe Anzahl reizloser Befunde. Möglicherweise sind hier die Einflüsse des Klimas (diesmal vorausgehende längere Schönwetterphase) doch nicht unerheblich. Unverändert erstaunlich ist der im Vergleich zu Deutschland deutlich geringere Anteil an üblen Adhäsivprozessen.

Das bestehende – über die Jahre lückenhaft gewordene HNO-Instrumentarium wurde wieder komplettiert. Die Fa. STORZ unterstützte uns dabei – wie auch in früheren Jahren - großzügig und unbürokratisch. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Storz und Herrn Benjamin Widemann von der Firma STORZ.

An 3 Tagen stand uns mit Frau Yen Huttmann eine kompetente Hörgeräteakustikermeisterin zur Verfügung, die zusammen mit unserem langjährigen Freund und Mitarbeiter Dr. Nguyen Ngoc Tho / HNO-Arzt am Cam Le-Hospital in Danang  insgesamt 30 hörgeschädigte Kinder aus zwei Sonderschulen untersuchte und bei 26 davon ein- und überwiegend beidseitige Hörgeräteversorgungen durchführte. Zum Einsatz kamen überwiegend Hochleistungsgeräte (sog. Super-Power-Geräte),  deren Anschaffung uns eine großzügige Geldspende von Herrn Kastori von der Firma STARS & STRIPS ermöglichte. Auch ihm sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

 

Kieferothopädische Tätigkeit 

Auch beim Märzeinsatz 2015 war die Kieferorthopädie als Teil der interdisziplinären Spaltbehandlung dabei. Neben der Behandlungskontrolle der kieferorthopädischen Spaltpatienten war ein Blockseminar für in Da Nang tätige Zahnärzte mit Interesse an der  Kieferorthopädie bzw.  für bereits kieferorthopädisch arbeitende Kollegen in der zweiten Woche geplant.

Auch die Datenbank-Dokumentation, sowie die Fotodokumentation waren Aufgaben des kieferorthopädischen Teams.  Leider war Herr Hung, der angelernt worden war,  die Datenbank einzupflegen, in der Zwischenzeit aus Da Nang verzogen, so dass von Herr Dr. Kunz und Frau Dr. Pham diese Aufgabe erfüllt werden musste.

Frau Pham behandelt derzeit 12 Spaltpatienten mit ausgeprägten Kieferfehllagen kieferorthopädisch, sowohl mit herausnehmbaren als auch festsitzenden Apparaturen. Diese Patienten wurden während des Einsatzes einbestellt, um Zwischenbefunde mit Anfertigung aller diagnostischen Unterlagen anzufertigen. Diese wurden dann von Frau Pham ausgewertet und mit uns bezüglich des weiteren Vorgehens besprochen.

Bereits beim letzten Einsatz wurden an zwei Tagen kieferorthopädische Seminare von Frau Prof. Stellzig-Eisenhauer vor kieferorthopädisch interessierten Zahnärzten aus Da Nang und Umgebung gehalten. umfassten bei diesem Einsatz 2 Tage. In diesem Jahr wurden die Blockseminare incl. der praktischen Demonstrationen auf drei Tage mit jeweils 8 Unterrichtsstunden ausgeweitet. Neben der Vertiefung der im Vorjahr gelehrten diagnostischen Grundkenntnisse wurde bei diesem Einsatz der Schwerpunkt auf die kieferorthopädische Therapieplanung (Extraktion vs. Non-Extraktion, Lückenöffnung vs. Lückenschluss,  Erwachsenentherapie) gelegt. Zudem wurden „Hausaufgaben“ bis zum Folgetag aufgegeben, um das gelernte Wissen zu vertiefen.

Noch stärker als bereits im Vorjahr zeigte sich, dass ein hoher Bedarf und großes Interesse für die kieferorthopädische Fort- und Weiterbildung bestehen. So wurde erneut beschlossen, im kommenden Jahr eine Fortbildung, möglicherweise für eine ganze Woche mit Schwerpunkt auf die Behandlungstechniken incl. Praktischen Übungen, abzuhalten.

 

Infrastruktur im Krankenhaus:

Die Narkosegeräte funktionierten, das vorhandene und gelagerte Material reichte, wurde jedoch durch den Einsatz stark reduziert, es muss demnächst gut aufgefüllt werden.

Die von Deviemed angeschafften Geräte (Narkosegerät, Sterilisation) befanden sich in einem guten Zustand, waren gepflegt und gewartet.

Auch hat die Reha-Klinik inzwischen Investitionen getätigt: einen neuen OP-Tisch und ein neues Beatmungsgerät, welches auch für jüngere Schulkinder geeignet  ist.

Zwei neue Sauerstoffsensoren wurden auf Kosten von Deviemed bestellt.

 

Team:

Das Team war diesmal durch zwei neue Ärzte bereichert: Zum einen Jan Lenz aus Rostock, der sich als operativ sehr erfahren und sehr teamfähig erwiesen hat. Er konnte auch seine universitäre Erfahrung aus der Lehre einbringen. Zum anderen hat die in Vietnam geborene HNO-Ärztin Hang sich organisatorisch und in Fragen kultureller Übersetzung als sehr hilfreich erwiesen.

Die  OPs verliefen plangemäß, nach der kurzfristigen Absage aus dringenden familiären Gründen von Prof. Hemprich wurde der OP-Plan allerdings etwas reduziert, kleinere Ops wurden auf den nächsten Einsatz verschoben. Die (ungeplante) Besetzung mit nur zwei deutschen Chirurgen zusammen mit Ky und Long als vietnamesische Kollegen hat sich als sehr harmonisch herausgestellt. Ein Ausfall nur eines Chirurgen hätte andererseits das ambitionierte OP-Programm gefährdet.

 

Soziales Rahmenprogramm:

Am Wochenende teilte sich dir Gruppe: der größte Teil reiste auf die Cham-Imsel vor Danang, eine kleine Gruppe reiste mit Long nach Hue.

Am 18.3.2015 besuchte uns unser Ehrenmitglied Herr Teufel von der Firma Grosz-Beckert. Er kam mit der ganzen Familie und wurde zum Essen eingeladen. Er sichert uns weitere großzügige Unterstützung in gleicher Höhe wie in den letzten Jahren zu.

Am 23.3.2015 wurde die Gruppe von der Klinikleitung zum Essen eingeladen. Dabei wurden die persönlichen Kontakte zu den Ärzten und der Verwaltung gestärkt. Eine Gegeneinladung durch Deviemed, zu der auch das Klinikpersonal eingeladen wurde, folgte am 25.5.2015.

Der alte Direktor verlieh Herrn Prof. Reuther in Abwesenheit den Verdienstordens des Ministeriums für Arbeit und Soziales für seine Leistungen im Aufbau des Spaltzentrums.

 

Aktivität in der Universität:

Am Donnerstag, den 26.3.2015 war die Gruppe in die Universität DaNang eingeladen. Hier wurden drei Themen  von Teammitgliedern vorgetragen: Übersicht über das Fach MKG-Chirugie von Thomas Teltzrow, Therapie von Lippen- Kiefer- Gaumenspalten von Jan Lenz und schließlich eine Einführung in die Kieferorthopädie von Angelika Stellzig- Eisenhauer. Obwohl es sich nach Angaben von Long um Medizinstudenten des letzten Jahres handelte, war das Verständnis für die Themen eher gering. Wahrscheinlich waren die fehlenden Englischkenntnisse ausschlaggebend. Trotzdem war die Resonanz von Seiten der Universitätsverwaltung gut und Deviemed wurde gebeten, demnächst weitere Vorträge und Kurse anzubieten.

Nach der Vorlesung wurden die letzten 3 Eingriffe im OP durchgeführt und abends reiste die erste Gruppe wieder ab, am nächsten Tag inventarisierte die Restgruppe das Material.

 

Machtgefüge im Krankenhaus:

Es hat ein Führungswechsel im Krankenhaus stattgefunden: Der alte Direktor Cuc ist nun pensioniert, als Nachfolger wurde der Orthopäde Thanh eingesetzt. Herr Cuc erklärte Hop die Situation: 80% wollten den Vizedirektor Herr Ky als Direktor, ihm fehlten jedoch mehrere Voraussetzungen: Promotion, Fremdsprachenkenntnisse und formale chirurgische Qualifikationsstufen. Er rechnet mit Konflikten zwischen Ky und Thanh. Ky ist durch die neue Situation aktiver geworden, er möchte im Spätsommer für 4 Wochen nach Deutschland kommen und versucht bis dahin, sein Englisch zu verbessern. Aus eigenem Antrieb hat er eine Liste von 9 Patienten erstellt, bei denen einfache Korrekturen spaltbedingter Deformitäten anstehen. Seiner Bitte um finanzielle Unterstützung für die OPs wurde aus taktischen Gründen entsprochen, er erhält 50% Unterstützung der entstehenden Kosten (125$ pro OP).

Der neue Direktor Thanh verfolgt einen weiteren Aufbau der Klinik in Richtung Orthopädie und Spaltchirurgie und bittet offiziell um unsere weitere Unterstützung. Auch durch tägliche Besuche im OP zeigte er Interesse an unserer Tätigkeit.

 

Problemfeld Anästhesie:

Seit Jahren ist es Deviemed nicht gelungen, einen zuverlässigen Kinderanästhesisten dauerhaft an die Klinik zu binden. Dies liegt vorwiegend an der schlechten Bezahlung von Narkoseärzten in Vietnam generell (180.000 Dong, ca. 9$ pro Narkose im Verhältnis zu 3.000.000 Dong, ca. 150$ pro OP) und dem daraus resultierenden leeren Markt für qualifizierte Anästhesisten. Deviemed wird die Suche nach einem Kinderanästhesisten unterstützen, jedoch so lange dies nicht hinreichend gelöst ist, selbst mit Anästhesisten anreisen.

 

Abrechnung:

Die Abrechnung der entstandenen Kosten war wie immer eine längere Verhandlung. Angeblich habe es eine Erhöhung der OP-Pauschale in ganz Vietnam gegeben. Die Pauschale für Operationen, in die auch alle Spalt-OPs fallen, betrage nun 2.500.000 Dong (=125 $). Insgesamt zahlten wir ca. 3800 €, entsprechend 75 € pro Patient. Eine härtere Verhandlung wäre möglich gewesen, jedoch war es politisch geboten, den neuen Krankenhausdirektor sein Gesicht wahren zu lassen.

Für die Zukunft haben wir ein neues Verteilungsprinzip vereinbart: Deviemed übernimmt 50% der Kosten nach Abzug der Erstattung durch die Versicherung (50-80%) und auch 50% bei Nichtversicherten. Damit fließt automatisch mehr Geld, wenn Bedürftige operiert werden. Diese Regelung soll für 3 Jahre gelten, bedarf aber noch der Bestätigung durch den Direktor.

 

Zukünftige Entwicklung:

Zu mehreren offiziellen Gelegenheiten haben sich die Klinikleitung und Vertreter von Deviemed einander zugesagt, das Projekt des Spaltzentrums weiter zu verfolgen und auszubauen, auch wenn die Selbständigkeit  des Zentrums eher in der ferneren Zukunft liegt. Der Mann von Susanne Schaper soll als Orthopäde angesprochen werden, einmal mitzukommen und evtl. die fachliche Entwicklung  in dieser Disziplin in der Klinik zu fördern.

Der neue Direktor bietet an, einen MKG-Chirurgen wie Long einzustellen und adäquat zu bezahlen.

In der 2. Woche des Aufenthaltes stellt der Direktor dem Deviemed-Team  einen jungen Arzt aus der Universität Hue vor, der als MKG-Chirurg eingestellt werden soll. Leider fehlte es an Gelegenheit, ihn näher kennen zu lernen.

Direktor Thanh konnte nicht an der Abschiedsveranstaltung teilnehmen, da er mit einem jungen Orthopäden in die USA reist, der dort eine Hospitation von mehreren Monaten durchführen soll. Dies scheint ein gutes Signal zu sein, dass der neue Direktor nach internationaler Anbindung sucht.

Der alte Krankenhausdirektor Cuc  ist weiterhin Beauftragter des Ministeriums für den Aufbau des Rehabilitations- und Sozialwesens in Vietnam und jetzt dazu in Laos. Er würde uns gern dabei unterstützen, wenn wir in Laos aktiv sein wollten, da dieses Land sehr arm und unterversorgt sei.

Jan Lenz wird eine Logopädin ansprechen, die Erfahrung bei internationalen Einsätzen hat.

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