Einsatzbericht - 03/2014

Bericht über den Einsatz von DEVIEMED im März 2014


Bereits vor unserer Ankunft in Da Nang, wurden ca. 100 Patienten für den DEVIEMED-Einsatz gemeldet. Diese stellten sich im Rahmen einer ersten Voruntersuchung im Orthopedic and Rehabilition Hospital vor. Von diesen sahen der Vizedirektor Dr. Ky und Dr. Long bei 84 Patienten die Notwendigkeit einer chirurgischen, HNO-ärztlichen oder kieferorthopädischen Intervention und vereinbarten erneute Termine im Rahmen unseres zweiwöchigen Einsatzes.

 

Nach Abflug in Frankfurt am Freitag den 14. März kamen wir nach kurzem Aufenthalt in Hanoi gegen Samstagmittag in Da Nang an. Bereits am Flughafen wurden wir herzlich vom Direktor Cuc, Vizedirektor Ky, Dr. Long und der Familie Pham, insbesondere auch von Dr. Chi Pham, begrüßt. Nachdem wir unser Gepäck im D&Chotel untergebracht hatten, wurden wir vom Klinikbus abgeholt. Dort wartete bereits etwa die Hälfte der vorab ausgewählten Patienten auf uns. Alle Patienten waren, wie in den Vorjahren, durch das Krankenhaus exzellent vorbereitet.

Während ein Teil unserer Gruppe sich darum kümmerte, dass die Instrumente und Medikamente für die Operationen der nächsten Tage, den Aufwachraum und die Krankenstation ausgewählt, sterilisiert bzw. eingeräumt wurden, untersuchten und fotodokumentierten die Anderen die wartenden Patienten, so dass das Op-Programm für die folgenden Tage aufgestellt werden konnte. Einige Patienten mussten abgelehnt werden, da die Nachbetreuung in schwierigen Fällen nicht gewährleistet war, andere da das Operations- bzw. Narkoserisiko zu hoch war. Gegen 18.00 waren wir mit den Vorbereitungen für die kommende Woche fertig, so dass wir zum Abendessen in einem Restaurant am Meer aufbrechen konnten.

Am Sonntag machten wir einen Ausflug mit den Mopeds zur Affenhalbinsel und entspannten anschließend bei einem Bad im Chinesischen Meer.

Die nächsten Tage waren gefüllt von einem straffen Programm. Auch in der Folgewoche stellten sich wieder Patienten vor.

Von diesen wurden während unseres Aufenthaltes 65 Kinder und Jugendliche Patienten operiert, zwei Operationen mussten leider wegen Atemwegsinfekten der Patienten verschoben werden und sieben weitere Patienten wurden ausgewählt, die im Intervall zwischen den Einsätzen von Dr. Long und Dr. Ky operativ versorgt werden.

 

Auch diesmal wurden 27 extrem arme Patienten aus den Minderheitenregionen des Hochlandes nach Da Nang gefahren, um auch diesen Patienten eine qualifizierte medizinische Versorgung gewährleisten zu können. Dabei mussten Schwierigkeiten bei der lokalen Behörde überwunden werden, die zu Problemen des Patiententransportes geführt hatten.

Die Transportkosten, wie auch die übrigen Kosten der Patientenversorgung wurden von DEVIEMED und der Rehaklinik zu gleichen Anteilen getragen.

Die meisten, der von uns operierten Patienten kamen aus den armen Regionen der Mitte Vietnams (Quang Nam, Quang Tri, Gia Lai, Kontom und Dac Lac), und nur ca. 15 Patienten aus Da Nang selbst. Diese Regionen werden von den anderen Hilfsorganisationen oftmals nicht bedacht, so dass sie völlig unterversorgt bleiben. Da diese Patienten eine mehrere hundertkilometerlange Anreise hinter sich hatten, wollten wir allen eine operative Versorgung ermöglichen. Dazu wurde in der zweiten Einsatzwoche z.T. nicht nur an zwei Tischen, sondern an drei Tischen operiert.

 

Die von DEVIEMED durch die großzügige Unterstützung der Urbanstiftung angeschafften Geräte, insbesondere die Sterilisation und das für Kindernarkosen geeignete Narkosegerät, waren in gutem Zustand. Lediglich ein Sauerstoff-Schlauch war porös geworden, der jedoch umgehend ersetzt werden konnte. Zusätzlich wurden der zuständige vietnamesische OP-Pfleger und der Chef der Technikabteilung instruiert, im Bedarfsfall, sich um Ersatzteile und Reparaturen selbstständig zu kümmern.

Neben der operativen Versorgung der Patienten wurden von DEVIEMED weitere wichtige Aufgaben durchgeführt:

  • So wurden die vietnamesischen Anästhesisten mehrere Tage intensiv unterrichtet und bei ihrer klinischen Tätigkeit intensiv begleitet. Neben der Vorbereitung der Narkose, der Beschriftung aller Arzneimittel und der Bereithaltung von Notfallmedikamenten war ein Schwerpunkt der Umgang mit besonderen Situationen. Dazu gehörten der schwierige venöse Zugang, die schwierige Intubation, und die Reaktion auf sich verändernde Vitalparameter. Unsere vietnamesischen Partner Dr. Thran, der Änästhesiepfleger Long und die Op-Schwestern nahmen unsere Hinweise gerne an und demonstrierten uns in den letzten Tagen, was sie alles gelernt hatten. Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, unseren vietnamesischen Kollegen Selbstvertrauen gegeben zu haben. Die Firma Storz hat unseren Einsatz mit einem Videolaryngoskop unterstützt, welches an 3 Tagen zum Einsatz kam.

  • Des Weiteren wurden die Op-Pfleger und Op-Schwestern geschult und insbesondere über die Notwendigkeit und genauen Durchführung der Reinigung der Instrumente und der Sterilisation unterrichtet.

  • Während unseres zweiwöchigem Einsatzes haben wir mit der Unterstützung des Cam Le Krankenhauses und der Zusammenarbeit mit Dr.Tho (HNO Arzt) in Da Nang 35 hörgeschädigte Kinder und 2 Erwachsene untersucht. Davon haben 29 Kinder und 2 Erwachsene jeweils 2 Hörgeräte von uns erhalten. 3 Kinder bekamen jeweils 1 Hörgerät von DEVIEMED. In einem Fall konnte einem Kind leider kein Hörgerät angepasst werden, da es sich als vollständig taub erwies. Außerdem haben wir noch 41 Otoplastiken/ Ohrpassstücke für die Patienten hergestellt. Zu dem vereinbarten Nachkontrolltermin sind 31 Patienten gekommen. Die Hörgeräte wurden nach einer Woche Probetragen überprüft und bei Bedarf neu eingestellt. Bei der Abschlussuntersuchung gaben wir den Patienten jeweils 2 Packungen mit Batterien mit und empfahlen, bei Bedarf und Problemen sich mit Dr. Tho in Verbindung zu setzen. Eine Nachkontrolle dieser Patienten wird unsererseits bei den Folgeeinsätzen angestrebt.

  • Sämtliche operierte Spaltpatienten wurden während des Narkoseeingriffes HNO-ärztlich untersucht. Bei einem Großteil der Patienten wurde wegen eines bestehenden Seromukotympanons eine Paukendrainage durchgeführt und Ventilationsröhrchen gesetzt. Selten wurde eine chronisch mesotympanale Otitis media diagnostiziert. Cholesteatome wurden nicht gesehen. Auffällig war – wie schon in Vorjahren – dass ältere und auch erwachsene Patienten mit Gaumenspalten oft erstaunlich geringfügige Mittelohrbefunde aufwiesen - insbesondere wurden schwerwiegende Adhäsivprozesse, wie wir sie aus unserem deutschen Klientel kennen, so gut wie nicht vorgefunden. Das HNO-Instrumentarium weist inzwischen einen gewissen Schwund auf; teils sind Sauger defekt und Parazentese-Messer korrodiert. Vor dem nächsten Einsatz müsste hier für Ersatz gesorgt werden (dazu wird mit der Firma STORZ Kontakt aufgenommen, die sich in den Vorjahren immer dankenswert großzügig gezeigt hat). Das mühevoll nach Da Nang transportierte Audiometer ist leider defekt. Es wurde wieder mit nach Deutschland zurückgebracht. Leider ergab die Überprüfung, dass dieses nicht mehr repariert werden kann. Eine Neuanschaffung wäre sehr wünschenswert.

  • Auch bei diesem Einsatz war die Kieferorthopädie als Teil des interdisziplinären Spaltteams, in Da Nang tätig. Hauptaufgaben waren die Fallplanungen neuer Patienten und die Behandlungskontrolle bereits laufender Patienten. Seit dem letzten Jahr behandelt Frau Dr. Pham 12 Spaltpatienten mit ausgeprägten Kieferfehllagen kieferorthopädisch, sowohl mit herausnehmbaren als auch festsitzenden Apparaturen. Diese Patienten waren während des Einsatzes einbestellt worden und es erfolgten Zwischenbefunde mit Anfertigung aller diagnostischen Unterlagen. Diese wurden dann von Frau Pham ausgewertet und mit uns bezüglich des weiteren Vorgehens besprochen. Darüber hinaus wurden 5 Obturatorplatten für Patienten mit Gaumenspalten hergestellt, bei denen ein chirurgischer Verschluss nicht indiziert war. Auch die Datenbank-Dokumentation, sowie die Fotodokumentation waren Aufgaben des kieferorthopädischen Teams – Hung, ein vietnamesischer Radiologe und Bekannter von Dr. Long, wurde angelernt, die Datenbank mit einzupflegen. Da er über gute Englischkenntnisse verfügt, könnte er auch in Zukunft eine große Hilfe im Rahmen der Dokumentation der Einsätze darstellen. Neben den bisher genannten Aufgaben wurden bei diesem Einsatz erstmals kieferorthopädische Seminare vor 12 Zahnärzten aus Da Nang und Umgebung gehalten. Die Seminare incl. der praktischen Demonstrationen umfassten bei diesem Einsatz 2 Tage mit jeweils 8 Unterrichtsstunden. Zu den Schwerpunkten der Seminare gehörten kieferorthopädische Befundung, sowie die Behandlung von skelettalen und dentalen Anomalien. Auch praktische Module zur Herstellung von kieferorthopädischen Geräten incl. praktischer Demonstrationen wurden organisiert und geleitet. Es zeigte sich, dass ein hoher Bedarf und großes Interesse für die kieferorthopädische Fort- und Weiterbildung bestehen. So wurde angedacht, im kommenden Jahr eine ganze Woche Unterricht vorzubereiten, um den Zahnärzten vor Ort weiterreichende Kenntnisse im Bereich der Kieferorthopädie zu vermitteln. Hierbei könnte auch Frau Dr. Pham als in Deutschland fortgebildete Kieferorthopädin unterstützend mitwirken.

 

 

An unseren Operationstagen waren wir meistens von 8 Uhr bis 18 Uhr in der Klinik, manchmal noch länger. Zum Ende des Einsatzes wurde wieder eine Material- und Medikamenteninventur durchgeführt, um auch beim kommenden Einsatz zu wissen, welche Dinge vorhanden sind und was noch benötigt wird.

Die Instrumentensiebe wurden neu sortiert und die bisher in der Routine nicht benötigten Instrumente aussortiert.

Zur Verfügung stehen jetzt 4 komplette Lippensiebe und bei Nachrüstung von 2 Gaumensieben mit 8 fehlenden Teilen ebenfalls 4 komplette Siebe.

Ein weiteres Gaumensieb kann generiert werden, wenn zu den schon vorhandenen Restinstrumenten fehlende neu erworben werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf insgesamt 2968,95 Euro.

An unserem arbeitsfreien Wochenende hatten wir am Samstag die Möglichkeit einer Werksbesichtigung deutschen Firma Groz-Beckert, die außer in ihrem Stammhaus in Süddeutschland an vielen ausländischen Standorten produziert. In dem Betrieb mit derzeit 800 Mitarbeitern werden Nähnadeln für die Bekleidungsindustrie gefertigt. Neben den ausgefeilten Produktionsmethoden beeindruckte das ausgefeilte und arbeitnehmerfreundliche Entlohnungs- und Sozialsystem. Die Firma zählt zu den regelmäßigen finanziellen Unterstützern von DEVIEMED.

 

 

Weitere Entwicklung unseres interdisziplinären Projektes in der Rehaklinik von Da Nang:

 

  • Der Direktor der Rehaklinik, Dr. Cuc bestätigte mehrfach, dass das Ministerium und die Reha-Klinik auch in Zukunft mit uns arbeiten möchten, auch nach Ablauf der 5 Jahre, die vertraglich festgehalten waren. Viele Mitarbeiten fragten uns besorgt, ob die Einsätze 2014 die letzten in der Rehaklinik wären. Herr Dr. Cuc wird am Ende des Jahres pensioniert. Er bleibt aber aktiv bis das neue Gebäude fertig gestellt ist. Er möchte einen Verein: Hilfe für Kinder armer Familien gründen. Er möchte gerne auch Mitglied von Deviemed werden und uns in Da Nang, und auf dem Hochland, wo er mehr Einfluss bekommen wird, vertreten. Dies würde uns vor Ort politisch weiter helfen, auch um in der Zukunft Spenden für unsere Operationen zu akquirieren.

  • Ein junger Arzt namens Minh wurde von Dr. Cuc als Chirurg neben Dr. Long und Dr. Ky eingestellt. Er spricht gut englisch, assistierte während des Einsatzes und war sehr interessiert. Er versucht z.Z. beim DAAD ein Stipendium zur Weiterbildung und Promotion im Fach Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Deutschland zu bekommen.

  • Die Stadt Da Nang und das Ministerium für Gesundheit sind sehr an mehrjährigen Fortbildungen auf den Gebieten Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Anästhesie und Kieferorthopädie interessiert. Diesbezüglich haben wir eine zustimmende Absichtserklärung abgegeben. Herr Dr. Cuc möchte, dass wir die Seminare und Praktika in der Rehaklinik durchführen und sichert uns zu, den klimatisierten Konferenzraum hierfür zur Verfügung zu stellen.

  • Die Medizinische Fakultät der Universität Da Nang hat bis jetzt ca.100 Ärzte ausgebildet. Z.Z. sind ca. 140 Medizinstudenten eingeschrieben. Die Medizinische Fakultät wird ab Juni 2014 ein Gebäude ca. 500 m entfernt von der Rehaklinik beziehen. Der Dekan der Medizinischen Fakultät bat DEVIEMED Curricula nicht nur für die Ärzte der städtischen Gesundheitsbehörde, sondern für werdende Ärzte und jüngere Ärzte der Medizinischen Fakultät ab 2015 abzuhalten.

 

Teilnehmer:

 

Dr. Dr. Helmut Sieber (MKG)

PD Dr. Dr. Martin Scheer (MKG)

Dr. Dr. Thomas Teltzrow (MKG)

Dr. Hop Ta (Pädiatrie)

Prof. Dr. Tanja Jantzen (Anästhesie)
Dr. Anke Lötte (Anästhesie)

Dr. Martin Dohrmann (Anästhesie)

Mary Rosolski (Anästhesiepflege)

Susanne Schaper (Anästhesiepflege)

Matthea Penning (Op-Schwester)

Dr. Christoph Isselstein (HNO)

Yen Huttmann (Akustik)

Prof. Dr. Angelika Stellzig-Eisenhauer (KFO)

Dr. Felix Kunz (KFO)

 

ShoppingASEhandelASErhvervIndexDKServiceIndexDK